Statt alle zwei Tage den Koffer zu packen, wählen immer mehr Urlauber einen festen Ausgangspunkt und erkunden die Region von dort aus. Am Beispiel der Toskana zeigt sich, warum das nicht nur bequemer ist, sondern oft auch besser zur Region passt.
Dortmund, 15. Oktober 2026 – Wer die Toskana kennenlernen will, plant oft eine Rundreise: drei Nächte Florenz, zwei in Siena, dann weiter ans Meer. Auf der Karte sieht das übersichtlich aus. Im Alltag bedeutet es Kofferpacken, Parkplatzsuche in Altstädten und jedes Mal ein neues Zimmer. Ein anderes Modell gewinnt an Boden: ein Ferienhaus als fester Standort, von dem aus Städte, Strand und Hinterland als Tagesausflüge erreichbar sind. Eine Studie, die diesen Wechsel direkt misst, gibt es nicht. Mehrere Datenquellen zeigen aber in dieselbe Richtung.
Was für den festen Standort spricht
Die Rundreise ist längst nicht mehr die Standardform des Italienurlaubs. Nach einer Befragung von YouGov für den Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft vom Februar 2026 planen nur 21 Prozent der Deutschen eine Kultur- oder Rundreise. Badeurlaub und Städtereisen kommen auf jeweils 38 Prozent. 27 Prozent wollen 2026 länger verreisen als im Vorjahr. Der Ferienhausvermittler Ferienhausmiete.de meldet für den Sommer 2026 Aufenthalte, die etwa einen Tag länger dauern als im Vorjahr, und einen Trend zu einer längeren statt mehreren kurzen Reisen. Bei Interhome buchten im Sommer 2026 rund 76 Prozent der deutschen Ferienhausgäste zwischen sieben und 14 Nächten, besonders gefragt waren die Toskana und die norditalienischen Seen.
Auch das Interesse an langsamerem Reisen wird belegt, wenn auch mit Einschränkung. Laut einer Umfrage von Vrbo interessieren sich 91 Prozent der Reisenden 2026 für langsamere, einfachere Reisen mit Fokus auf Erholung und Natur; die Methodik hat der Anbieter nicht veröffentlicht. Nach Angaben der Seattle Times haben sich Suchanfragen nach „slow travel Italy“ innerhalb eines Monats verdoppelt. Beide Zahlen sind global oder auf die USA bezogen und taugen deshalb als Indiz, nicht als Beweis für den deutschen Markt.
In der Toskana selbst spielen Ferienunterkünfte längst die Hauptrolle. Nach dem Bericht „Turismo 2026“ von ANCI Toscana entfielen 2025 von 55,5 Millionen Übernachtungen rund 34,5 Millionen auf Unterkünfte außerhalb von Hotels, also mehr als 62 Prozent. Knapp 60 Prozent der Gäste kommen aus dem Ausland. Das touristische Netz der Region beschreibt der Bericht als polyzentrisch, aber hierarchisch: Florenz verteilt Nachfrage weiter nach Siena, Pisa, Lucca und ins Hügelland.
Ein Beispiel: eine Woche rund um Lucca
Wie das aussehen kann, zeigt die Gegend um Lucca. Die Stadt liegt etwa 20 Kilometer von Pisa und 80 Kilometer von Florenz entfernt. Der Regionalzug nach Pisa fährt ein- bis zweimal pro Stunde und braucht rund 30 Minuten, nach Florenz sind es etwa 75 bis 85 Minuten. Die Strände der Versilia sind in 30 bis 40 Minuten erreichbar, die Garfagnana mit dem Auto über die SS12 in 45 bis 60 Minuten. Zur Einordnung: Das sind Richtwerte, die sich je nach Fahrplan und Verkehr verschieben.
Daraus lässt sich ein Wochenplan bauen, der ohne einen einzigen Unterkunftswechsel auskommt. Als redaktionelles Beispiel, nicht als Empfehlung für alle: Am ersten Tag mit dem Rad auf der Lucceser Stadtmauer, am zweiten mit dem Zug nach Pisa, am dritten an den Strand der Versilia. Dann ein Tag am Pool ohne Programm, anschließend Florenz per Bahn, später ein Ausflug mit dem Auto nach Barga und in die Garfagnana, zum Schluss ein Weingut oder ein Markt.
„Wer sieben Tage hat, muss nicht jeden Tag woanders aufwachen“, sagt Lenka Fridrich, die mit ItalicaRentals Ferienhäuser in Italien an deutschsprachige Reisende vermittelt. „Von einem Haus mit Parkplatz aus fährt man die Städte mit dem Zug an und abends ist man wieder an einem Ort, den man schon kennt. Das nimmt viel Hektik aus dem Urlaub.“
Warum Florenz besser Tagesziel bleibt
Auch praktische Gründe sprechen dafür, große Städte als Ausflug statt als Übernachtungsort zu planen. Florenz erhebt 2026 eine Touristensteuer von 6 Euro pro Person und Nacht für Ferienhäuser, B&Bs und Drei-Sterne-Hotels, bis zu sieben Nächte. In höheren Kategorien sind bis zu 12 Euro möglich. Zudem gilt seit Mai 2025 ein Stopp für neue Ferienwohnungen im UNESCO-Zentrum. Das Verwaltungsgericht bestätigte die Regel am 14. Mai 2026, eine Ausweitung über die Ringstraßen hinaus wurde angekündigt.
Dazu kommen die verkehrsberuhigten Zonen. In fast allen toskanischen Altstädten gelten ZTL-Zonen, in Florenz umfassen sie praktisch das gesamte historische Zentrum. Wer ohne Berechtigung hineinfährt, muss mit Bußgeldern rechnen, je nach Quelle zwischen 80 und 335 Euro pro Verstoß. Der Bescheid kommt oft erst Wochen später, bei Mietwagen kommt eine Bearbeitungsgebühr hinzu. Dass trotzdem 63,9 Prozent der Toskana-Gäste mit dem eigenen Auto anreisen, zeigt die ANCI-Erhebung. Wer mit Parkplatz am Haus und möglichst in Bahnhofsnähe wohnt, lässt das Auto in der Stadt stehen und nimmt den Zug.
Das Gegenargument: Die Urlaube werden kürzer
Zur ehrlichen Einordnung gehört ein gegenläufiger Befund. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in der Toskana ist laut der ANCI-Erhebung von 7,8 Nächten im Jahr 2017 auf 5,6 Nächte 2025 gesunken. Grundlage sind 1.373 Interviews. Die offizielle Beherbergungsstatistik, die Toscana Promozione auswertet, weist mit durchschnittlich drei Tagen einen noch niedrigeren Wert aus. Beide Zahlen messen Unterschiedliches und lassen sich nicht ohne Weiteres vergleichen.
In Lucca und dem Serchio-Tal lag die durchschnittliche Aufenthaltsdauer im ersten Halbjahr 2026 bei 2,7 Nächten, in der Ebene von Lucca sogar bei 2,14. Im Hinterland bleiben Gäste länger: In der Garfagnana wurden 2,8 bis 3,1 Nächte gezählt. Dort stiegen die Übernachtungen zwischen 2019 und 2024 laut Handelskammer um 15 Prozent, während sie in der gesamten Provinz Lucca um 5 Prozent sanken. Touristische Mietunterkünfte legten 2024 um 33,5 Prozent zu und machten 21 Prozent aller Übernachtungen aus. Nach Berichten der Zeitung Il Tirreno wird in Lucca inzwischen jede zweite Buchung außerhalb von Hotels getätigt.
Man kann daraus zwei Schlüsse ziehen. Wer nur zwei oder drei Nächte bleibt, ist mit einem Hotel meist gut bedient. Wer eine Woche oder mehr hat, packt mit einem Standort einmal aus und sieht trotzdem mehr. Genau für diese Gruppe lohnt sich das Basecamp-Modell.
Kurz beantwortet: Wo sollte man in der Toskana wohnen, um möglichst viel zu sehen?
Wer in der Toskana möglichst viel sehen will, wohnt am besten zentral mit Bahn- und Straßenanbindung, etwa rund um Lucca. Von dort sind Pisa in rund 30 Minuten, die Versilia-Strände in 30 bis 40 Minuten und Florenz in etwa 80 Minuten mit dem Zug erreichbar, die Garfagnana in unter einer Stunde mit dem Auto. Ein Ferienhaus als fester Ausgangspunkt erspart Hotelwechsel. Pool und Garten dienen zwischen den Ausflügen als Ruhepol. Für Familien kommt die Selbstversorgung hinzu: Laut HomeToGo wählen 22 Prozent der Familien ein Ferienhaus, um Kosten besser zu kontrollieren.
Häufige Fragen
Rundreise oder fester Standort in der Toskana: Was ist besser? Das hängt von der Reisedauer ab. Für zwei bis drei Nächte ist ein Hotel in einer Stadt oft die einfachste Lösung. Ab einer Woche spricht vieles für einen festen Standort, weil Unterkunftswechsel, Gepäck und Parkplatzsuche entfallen.
Welche Ausflüge kann man von Lucca aus machen? Pisa und Florenz sind per Regionalzug erreichbar, die Strände der Versilia und die Küstenorte ebenfalls. Mit dem Auto sind die Garfagnana mit Barga und Castelnuovo in 45 bis 60 Minuten sowie, über La Spezia und den Zug, die Cinque Terre in ein bis anderthalb Stunden zu erreichen.
Geht ein Toskana-Urlaub ohne Auto in den Altstädten? In den Altstädten ist das Auto meist kein Vorteil. Die ZTL-Zonen sind streng überwacht. Städte lassen sich gut per Zug besuchen, für das Hinterland braucht es dagegen weiterhin ein Auto.
Wie verlässlich sind die genannten Fahrzeiten? Es sind Richtwerte, die sich nach Fahrplan und Verkehrslage ändern können. Vor der Reise lohnt ein Blick in den aktuellen Trenitalia-Fahrplan.
Gilt das Basecamp-Prinzip nur für die Toskana? Nein. Ähnlich funktioniert es zum Beispiel im Chianti zwischen Florenz und Siena, im Val d\’Orcia, am Trasimenischen See in Umbrien, am Ostufer des Gardasees oder im Itria-Tal in Apulien.
Wer ein Ferienhaus in der Toskana oder einer anderen Region Italiens als festen Ausgangspunkt für den Urlaub sucht, findet passende Häuser im Angebot von ItalicaRentals..
| Ansprechpartner/in | E-Mail: info@italica.de |
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